Dienstag, 14. Januar 2014

Sprache

Mit der Sprache beginnt alles. Sie ist der Grundbaustein. Verstehe die Sprache und du kannst die Welt verstehen. Selbst Mathematik ist nur durch einen gewissen Sprachbestand zu bewältigen. Zahlen sind immerhin nur Symbole für Worte. Und was fängt man mit Symbolen an ohne zugehörige Bedeutung?
Höre zu, spreche, verstehe, lerne. Sprache ist der Anfang, der den Rest erst ermöglicht. Sie entscheidet über Verbindungen und Grenzen, über Verständnis und Ahnungslosigkeit, über Weitsicht und Denkfehler.
Sie ist grenzenlos in ihrer Vielfalt. Nonverbal, direkt, polnisch, indisch, Zeichensprache, unterschwellig. Und doch ist sie eindeutig für jene, die verstehen.
Aber, wie ich sage, dass ich es weiß, was hier verloren gegangen, und warum es verloren gehen müssen: darauf bin ich ebenso stolz, und stolzer, als ich auf alles das bin, was ich nicht verloren gehen lassen.“
Wow, was für ein Satz! 
Dies sagt der Maler Conti zum Prinzen Hettore Gonzaga in Bezug auf die Kunst des Malens im 1. Aufzug, 4. Auftritt des Dramas „Emilia Galotti“ von Lessing.
Egal, ob man versteht oder nicht. Man erkennt, dass diese Wortverbindung etwas Besonderes ist. Nichts, das man zufällig auf der Straße aufschnappen würde.
Und so sehe ich jedes einzelne Wort als etwas Besonderes, das Aufmerksamkeit verdient hat. Vom einfachen Es bis hin zum außergewöhnlichen Allenthalben. Denn Sprache ist meine Leidenschaft. 

Montag, 13. Januar 2014

Pausen

Was sagt es über uns aus, dass wir uns keinen Moment Erholung zugestehen? Klar, wir machen Pausen. Geht ja nicht anders. Nur lässt uns unser schlechtes Gewissen dabei nicht los. Ob man nach so einer Pause bereits derart regeneriert ist, dass man schon wieder leistungsfähig ist, ist fraglich.
Immer haben wir das Gefühl, nicht genug zu tun, nicht genug zu leisten. Unsere To-Do-Listen sind ewig lang und sobald ein Punkt abgearbeitet ist, kommen zwei neue hinzu. Wo bringt uns das hin? Dass jeder mit einem 10-Jahres Plan, der die unendlichen Aufgaben erklären würde, herumläuft, wäre mir unbekannt. Mir ist wohl bewusst, dass man eben etwas schaffen muss, um weiter zu kommen. Nur wäre es nicht um Längen effektiver, richtige Erholung zu erfahren anstelle von endlosem Stress?
Denn klar ist, dass Energie ihre Grenzen hat. Sobald der Akku leer ist, ist Schluss. Unerledigtes hin oder her.
Löwen schlafen zum Beispiel bis zu zwanzig Stunden, um ihre Energie zu sparen. Ein Luxus, den sich ein Mensch beim besten Willen nicht leisten kann. Es müssen aber auch nicht gleich zwanzig Stunden sein. Wenn wir uns weiter weg von Extremen bewegen würden und weiter hin zu zumutbarer Normalität, dann würde sich einiges zum Besseren wenden. Überhaupt scheint es, als gäbe es nur gesund und ungesund, reich und arm, beliebt und unbeliebt. Warum immer nur schwarz und weiß? Es gibt noch zahlreiche Grau-Abstufungen dazwischen, die wir anscheinend nicht wahrnehmen. Aber gut, ich schweife ab.
Nehmen wir an, man hat soeben eine Stunde Englisch gelernt, dann sind doch wohl 15 Minuten Musik hören in Ordnung. Wenn man sich anschließend nochmal 15 Minuten Zeit für eine Matheaufagbe nimmt, dann kann man danach meinetwegen sogar eine Stunde schlafen.
Wo liegt das Problem? Eigentlich habe ich gelernt, dass man für Leistung entlohnt wird. Allerdings findet das in der Realität wohl keine Anwendung.
Ich komme nochmal auf den 10-Jahres-Plan, zu sprechen. Vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee. Nicht für zehn Jahre, klar, aber wie wär's für diese Woche? Das würde unsere bevorstehenden Pflichten veranschaulichen und wir könnten wirklich sagen, ob jetzt eine Pause drin ist oder nicht. Häkchensetzen gibt mir im Übrigen immer ein recht positives Gefühl.
Außerdem sind realistische Ziele essenziell. Die Übersicht sollte keinen utopischen Touch – also keine perfektionierte, absonderliche Soll-Vorstellung – sein. Sie kennen sich. Sie kennen Ihre Leistungsfähigkeit, Ihre Gewohnheiten und Ihren Alltag. Orientieren Sie sich daran und setzen Sie die Messlatte erst nach und nach Stück für Stück etwas höher.
Natürlich ist so ein Plan relativ aufwändig. Es würde vielleicht sogar schon reichen, wenn Sie sich Gedanken darüber machen – aber selbst das muss erst gemacht werden. Sich Übersicht zu verschaffen, ist kein Muss. Sie sind bisher ja anscheinend auch ohne klar gekommen. Nur wäre es eventuell ein Ansatz, das Problem der ruhelosen Pausen anzugehen.


Sonntag, 12. Januar 2014

Unaufmerksamkeit

Nicht alles ist schlecht, das schlecht zu sein scheint. Manchmal verändert sich etwas derart unauffällig, dass wir es nicht bemerken. Nach langer Zeit betrachtet man es und plötzlich ist eine Veränderung wahrzunehmen. Dabei geschah es nicht plötzlich, wir waren nur zu unaufmerksam, um es zu bemerken.
Da stellt sich mir die Frage, was uns alles entgeht. Tag für Tag ist alles gleich, schaut man aber nach Jahren zurück, ist alles anders. Was übersehen wir? Großes übersieht man nicht so leicht. Es müssen also die kleinen Dinge sein. Macht es doch einen Unterschied, ob ich heute oder morgen beginne, Vorsätze – besonders die scheinbar unscheinbaren – in die Tat umzusetzen? Bestimmt.
Ich beurteilte es als schlecht. Doch jetzt sehe ich es erneut an und denke: Es ist gut. Eine drastische Veränderung. Und was für ein Glück ich habe, das bemerkt zu haben! Glück, Zufall. Nenne es, wie du willst. Solange du dafür nur dankbar bist. Denn toll, dass ich das wahrnehmen durfte. Wiedereinmal ein positiver Lichtblick im Leben.
Die ganze Zeit schon ist die Rede von dem „Es“. Bisher sind keine näheren Erläuterungen, Beispiele zu finden. Schlechte Arbeit, Jenny.
Mal sehen.
Wenn ich meiner Mutter eher unberührt, gleichgültig beziehungsweise sachlich gegenüber trete, dann reagiert sie wie ein Spiegel. Sie reflektiert meine Stimmung – nur ca. 10 Mal potenziert. Heute nicht. (Was mich im übrigen auch zum Schreiben 'inspirierte'.) Ich war müde von der Woche und daher eher kühl. Wie du mir, so ich dir. Mein sinnbildliches Spiegelbild reflektierte. Eine viertel Stunde später hatte sich meine Laune nicht verändert. Sie hingegen verhielt sich mir gegenüber normal, fast schon nett. Das fiel mir auf. Und mir fiel auf, dass ich ihr gegenüber wohl ungerecht gewesen war. Sie ist kein Spiegelbild. Sie ist eine eigensinnige Mutter mit Feingefühl.

Und daher sage ich danke. Danke, dass ich etwas Neues an einem Menschen erkennen durfte, den ich schon seit über 16 Jahren kenne. Aus dem Alltagstrott herauszutreten, soll ja immerhin Beziehungen aufrecht erhalten. 

Samstag, 11. Januar 2014

Möchte ich?

Ich denke, dass Frauen, die abnehmen möchten, gar nicht abnehmen möchten.
Außerdem denke ich, dass man Dinge, die man wirklich möchte, auch umsetzen kann.
Ist es Ihnen jemals schwer gefallen, sich auf die Couch sacken zu lassen und fern zu sehen? Ist es Ihnen jemals schwer gefallen, Musik zu hören? Ist es Ihnen jemals schwer gefallen, shoppen zu gehen, obwohl Sie sich schon seit Tagen darauf gefreut haben? Nein? Soll ich Ihnen auch sagen, warum?
Weil Sie wollten.
Sie wollten die Dinge tun, die Sie tun wollten, und Sie haben sie gerne getan.
Wenn Sie schon seit Jahren mit wenig Erfolg abnehmen wollen, dann wollen Sie das vielleicht gar nicht wirklich, vielleicht brauchen Sie das einfach nicht.
Man möchte sich gut, fit, begehrt, eventuell beneidet, schön und bemerkt fühlen. Um nur einige zu nennen. Irrtümlicherweise glaubt man, dass man diesen wünschenswerten Zustand erreicht, sobald man abgenommen hat. Man hat aber noch nicht abgenommen und deswegen sagt man sich: „Natürlich fühle ich mich noch nicht gut, fit, begehrt, beneidet, schön und bemerkt. Ich bin schließlich noch nicht schlank.“
Sind Sie schon einmal auf den Gedanken gekommen, dass Sie nicht schlank sein müssen, um glücklich zu sein? Das eine beinhaltet das andere (leider?) nicht inklusive. Nein, ich erzähle Ihnen jetzt nicht, dass Frauen mit Kurven sehr wohl schön sind. Auch wenn das meine Meinung ist. Ihre Schönheitsideale dürfen Sie gerne mit sich selbst ausmachen.
Ich erzähle Ihnen jetzt, dass Sie sich Gedanken machen sollten, ob Sie sich nicht einer Illusion hingeben, die Sie am Ende enttäuscht. Wenn Sie ganz klar sagen, dass Ihr Wunsch wirklich darin besteht, abzunehmen, dann ist das vollkommen okay. Machen Sie weiter, nehmen Sie ab. Wenn Sie nach kurzer – oder langer – Überlegung aber doch der Meinung sein sollten, dass Sie sich einfach nur fabelhaft fühlen wollen, dann ist das ebenfalls okay. Nur müssen Sie dafür nicht abnehmen. Sie müssen sich dafür nicht verändern, nur müssen Sie dafür Erkennen.
Erkennen, dass Sie gut sind, wie Sie sind. Dass sie sich möglicherweise trotz perfekter Figur schlecht fühlen könnten. Dass alles Kopfsache ist. Dass Sie glücklich sein können, wenn Sie sich Glück zugestehen. Und Sie können zufrieden sein, wenn Sie aufhören Ihr Ziel auf Gewichtsreduktion zu beschränken. Erweitern Sie Ihren Horizont und jagen Sie nicht einem Ziel hinterher, das Sie nicht zum Ziel führen wird.






Freitag, 10. Januar 2014

One-Night-Stand

One-Night-Stand gehört zum Wortschatz eines jeden Bürgers. Die älteren Generationen begnügen sich vielleicht auch schon mit dem Wort Seitensprung. Es gehört in unsere heutige Welt, so selbstverständlich und gewöhnlich, dass man sich diesbezüglich kaum noch Gedanken macht. Singles nennen es Genuss – auch der Oma zum Verdruss.
Doch was haben diese Nächte so an sich, dass sie einen fast schon natürlichen Stellenwert in unserer Gesellschaft erhalten haben? Kolumnisten schreiben von ihren Eroberungen und Verehrern gar mit Stolz – mögen die Bekanntschaften noch so kurz sein. Helden unserer Lieblingsserien verschwinden mit Kleidern vom Vortag im Tumult der vollen Straßen. Alles ist erlaubt solange man Single ist.
Es ist aufregend, liefert einen Überschuss an Glückshormonen und gibt uns das Gefühl, zu leben. Für eine Nacht. Dann ziehen wir weiter.
Das Aufregende lässt nach. Das möchte jedoch kaum einer zugeben und deswegen gehen wir, wenn's am Schönsten ist. Wenn wir nun zurückdenken ist da nur eins: Die Erinnerung an diese unvergessliche Nacht.
Dabei könnten wir etwas erfahren, das weit darüber hinaus geht. Wer braucht schon Erinnerungen, wenn er Beständigkeit und das Zeitlose sein Eigen nennt?
Vielleicht würde es schon ausreichen, bis zum Frühstück zu bleiben. Dabei geht man natürlich das Risiko ein, dass der Nervenkitzel von gestern Nacht überschattet wird von der Banalität des Morgens.
Es könnte ein Reinfall werden. Man könnte Enttäuschung erfahren. Man könnte sich langweilen. All das wiegt wohl schwerer als die Aussicht auf ein Funken Glück der Ewigkeit.
Und so ziehen wir weiter wie heimatlose Streuner auf der Suche nach Leben wobei wir uns währenddessen selbst täuschen, denn das erstrebenswerte Beständige werden wir so nicht finden.
Aber ist überhaupt irgendetwas beständig?


Donnerstag, 9. Januar 2014

Alliumphobie

Wissen Sie, was ich an frisch Verliebten noch nie verstanden habe?
Nach ein paar Dates erkennen sie, dass sie sich wirklich mögen und beschließen, der Beziehung eine Chance zu geben. Und dann ist es, als würde sich ein Schalter umlegen. Zack, sie vertrauen sich. Zack, sie sind sich unglaublich nah.
Ich dachte immer, dass Intimität und Innigkeit so ihre Zeit bräuchten. In frischen Beziehungen wird es mir allerdings anders vorgelebt. Gestern waren sie einander noch fremd, wagten sich kaum anzusehen und im nächsten Moment laufen sie schon in unzertrennlicher Umarmung durch die Stadt.
Ist das echt? Muss so Liebe aussehen?
Vielleicht war ich noch nie ernsthaft verliebt. Vielleicht werde ich Liebe nie verstehen. Vielleicht muss das alles so sein wie es ist und wie es mir vorgelebt wird. Nur verstehe ich nun mal gerne.
Warum kann man nicht einfach sagen: „Hey, ich mag dich sehr gerne und würde auch gerne mit dir zusammen sein, aber lass es uns langsam angehen.“?
Alliumphobie ist der Fachbegriff für die Angst vor Knoblauch. Hätten Sie gedacht, dass es dafür einen speziellen Titel gibt? Ich auch nicht. Gibt es aber. Heutzutage ist schließlich alles definiert und betitelt.
Auch die Begrifflichkeit Beziehung wird mit bestimmten Werten und Bildern assoziiert. Verbundenheit und Händchenhalten gehören ganz klar dazu. Meinen wir also, dass wir ohne unserer empfundenen Sympathie Ausdruck zu verleihen, keine richtige Beziehung haben? Auch wenn wir noch am Anfang stehen. Beziehung ist Beziehung. Außerdem kommt da noch unser Umfeld ins Spiel. Was mögen die anderen darüber denken, wenn ich mit jemandem zusammen bin, den ich weder in aller Öffentlichkeit noch ganz privat in Zweisamkeit mit zügelloser Leidenschaft überschütte? Egal, ob diese körperlicher oder mentaler Natur sei. Und was denkt mein Partner darüber?
Weil es sich schwierig gestaltet, inmitten des Alexanderplatzes laut „Wir lieben uns wirklich. Wir sind nur noch nicht so weit.“ zu rufen und weil auch nicht jeder offen mit seiner besseren Hälfte reden kann – sowieso am Anfang, überspringen wir das alles einfach und passen unser Verhalten der Definition an.
Oder können frisch Verliebte tatsächlich einfach nicht die Finger von einander lassen? Wobei man dabei sagen kann, dass authentisches Auftreten selten zu ihren Stärken gehört. 
Ich für meinen Teil brauche Zeit und bis ich so weit bin, hänge ich mir am Besten ein Schild mit der Aufschrift „In der Ruhe liegt die Kraft“ um. Von dem ganzen Geschrei wird man sonst noch heiser.


Mittwoch, 8. Januar 2014

Plan für den Anfang

In meinem Zimmer sieht's aus als wäre eine Bombe eingeschlagen. Aufräumen an sich ist ja nicht schwierig, aber der Anfang ist es.
Lernen ist nicht schwer. Man muss sich dransetzen und dranbleiben. Sport ist nicht schwer. Man muss sich Laufschuhe überziehen und losrennen. Anfangen, das ist schwer.
Plötzlich ist das Muster auf der Tapete schrecklich interessant. Hauptsache man tut nicht das, was man tun sollte.
Aber warum?
Ein Blick in mein Zimmer verrät's mir: Ich weiß nicht wo anfangen. Definitiv nicht. Also schließe ich die Tür wieder. So kann das allerdings nicht weitergehen. Eine Lösung muss her.
Ich sollte eine Aufgabe erledigen, scheue mich aber davor, weil...
Ich Angst habe!
Angst davor, verloren zu gehen. Angst davor, zu versagen. Angst davor, nicht klar zu kommen. Angst vor einer Erfahrung, die mich prägen wird.
Deswegen lasse ich es gleich bleiben?
Nein. Meine Antwort auf Angst ist Mut. Ich stoße die Tür auf und zwinge mich, das Chaos zu betrachten.
Okay, so weit so gut.
Ich gehe einen Schritt vor und erfasse eine Lösung. Die Ecke als Fokus, Stück für Stück weiter zur anderen Ecke, Kissen um Kissen, Flasche um Flasche. Nach und nach kehrt Ordnung ein. Hey, das klappt ja – und mein Plan für die Zukunft steht auch schon fest:
  1. Mut fassen. Den Anfang wagen.
  2. Sich einen Überblick verschaffen
  3. Schritt für Schritt, Punkt für Punkt abarbeiten
Ein Autofahrer bei Nacht weiß auch nicht, was alles auf ihn zukommt, aber er kennt seinen Ausgangspunkt, sein Ziel, traut sich hinters Steuer, hat eine Karte dabei und sieht dank seiner Scheinwerfer immer die nächsten 100m seines Weges.

Von wegen anfangen ist schwer.